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Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, gleichbedeutend mit dem Ende des Nationalsozialismus, stand für die Hagener Schausteller ein Neubeginn an. Gleich 1945 sammelten sich die bewährten Kräfte des ambulanten Gewerbes. Man fand eine neu Heimat im Verband Ambulanter Gewerbetreibender Westfalen e. V., Bezirksstelle Hagen. Schnell wuchs die Vereinigung auf 47 Berufsangehörige und etablierte sich unter dem Vorsitz von Wilhelm Schleicher in der Stadt Hagen auch als beachtliches Wirtschaftsunternehmen.

Trotz neuer Zeiten, wurde Tradition beim Schaustellerverband weiter groß geschrieben. Dazu gehörte natürlich erneut eine Fahne, die Januar 1953 im Hohenzollernsaal an der Boeler Straße eingeweiht werden konnte.

“Wenige Versammlungen, wenige Probleme” – so läßt sich aus der Sicht des letzten Vorsitzenden Karl Arens das Spaß- und Sorgenbarometer der Hagener Schausteller in all den Jahren umschreiben. Ein Blick auf dieses “Barometer” verdeutlicht schnell, daß es gerade in den Fünfziger und Sechziger Jahren eine Menge zu tun gab. Der Kampf um die “Springe” als Standort für Volksfeste und Kirmessen begleitete die Schausteller lange und bewegte die Gemüter stark. Alles wurde versucht, um auf diesem zentralen Platz unweit des Rathauses bleiben zu können. “Auf Abspielung von Rock & Roll- Musik soll verzichtet werden. Mehr als 60 Phon sind nicht erlaubt”, wurde beispielsweise im Vorfeld für die Osterkirmes 1959 beschlossen.

Für den Erhalt des zentralen Platzes wurde sogar demonstriert, wurden Unterschriften gesammelt und konnte immerhin bis Ostern 1963 ein Umzug, zum von der Stadt angebotenen “Höing”, verhindert werden.

“Der Höing ist keine Springe”, heißt es in Versammlungsprotokollen dieser Zeit. Befürchtet wurden erhebliche Umsatzeinbußen und gar Pleiten. Auf gar keinen Fall sollte der Platzwechsel eine Lösung für immer sein. Heute ist die “Springe” längst kein Thema mehr.

Dennoch gab es weiterhin viele Probleme und entsprechend viele Zusammenkünfte der Hagener Schausteller. Seit mehr als 20 Jahren wird bereits für die Sanierung des Hauptplatzes gekämpft. Mit mal mehr, mal weniger Hoffnung auf Erfolg – bislang leider vergeblich. Mit Amtsantritt des Oberbürgermeisters Dietmar Thieser wuchsen die realistischen Hoffnungen zwar, aber aufgrund des absolut leeren Stadtsäckels, “kämpfen wir noch immer”.

Trotz allen Eifers ist die Lobby der Schausteller nach wie vor nicht die Beste. Immer noch gilt es, grundlegende Hürden zu überspringen. Bis heute ist der Beruf des Schaustellers nicht anerkannt. Mag es daran liegen, daß ein Schausteller im Grunde viele Handwerke beherrschen muß, sei es Schlosser, Bäcker, Maler, Schreiner oder daran, daß Schausteller zu sein mehr Berufung als Beruf ist – den Menschen, die sich auf Kirmessen vergnügen wird es wohl einerlei sein.

Immerhin beweist die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den langjährigen Vorsitzenden Otto Ackermann am 28. März 1990, daß das Ansehen der “Zunft” mit den Jahren durchaus gewachsen ist und heute weit mehr Anerkennung erfährt als zu den Gründerjahren um die Jahrhundertwende.

Ob es sich nun der verbesserten Lobby oder anderen Umständen wie der Westfalenschau zu verdanken ist, eine Teilsanierung ist mittlerweile von der Stadt Hagen in Aussicht gestellt worden – immerhin wäre dies auch ein Teilerfolg und käme allen Hagenern Bürgern zu gute.

Doch auch manche Niederlage mußten die Hagener Schausteller einstecken, man denke nur an die Hasper Kirmes. Der Kirmesplatz wurde stark verkleinert, der seinerzeit bestbesuchtesten Veranstaltung aus Sicht des Schaustellerverbandes wurde sozusagen der Lebensraum drastisch beschnitten. Nicht einfach in Zeiten, die ohnehin nicht die rosigsten sind. Gerade dem sogenannten “kleinen Mann”, immer gern gesehener Gast bei den Schaustellern, bleibt heute nicht viel Geld für etwas vergnügliche Stunden und Runden entlang der Fahrgeschäfte, Losbuden und Waffelbäckereien.

Dennoch wird – und daran gibt es bei den Hagener Schaustellern keinen Zweifel – auch der nächste runde Geburtstag, der bereits in diesem Jahrtausend stattfinden wird, von den Hagener Schaustellern, die seit 1991 unter der Federführung ihres damaligen Vorsitzenden Karl Arens endlich eingetragener Verein geworden sind, gefeiert werden. Erstmals steht jedoch am 14.Februar 1997 das große Jubiläumsfest zum 90jährigen in der Hagener Stadthalle an, das sicherlich als ein besonderer Glanzpunkt in die Chronik der Vereinsgeschichte eingehen wird.

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Diese Chronik wurde zum 90 jährigen Bestehen des Hagener Schaustellerverein 1907 e.V. verfaßt und dem, aus diesem Anlaß erschienen Festbuch, entnommen.

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